Drei Tage Kulturstartversuch

Drei Tage Kulturstartversuch

Der Innenhof der Kaiserpfalz ist wie gemacht für laue Sommerabende.

Ein wirklich schönes einzigartiges Ambiente, in dem sich leise bis mittellaute Töne und Klänge geradezu perfekt in die Ohren der geneigten Zuhörer zirkeln lassen. Durch das Fehlen der großen Bühne, die im Sommer normalerweise für ZirkArt und Afrika-Kulturtage wichtiges Podium ist, können jetzt in unseligen Coronazeiten wenigstens 70 Karten für den schönen Hof verkauft werden. Sehr viel Abstand und Vorsicht herrscht an allen drei Tagen in der Pfalz stets. Beim Veranstalter Junges Theater und auch bei den Gästen. Die Regeln und Auflagen die man der Kultur verpasst hat, sind besonders streng. Inzwischen eine eigene beinahe groteske Szenerie, wenn man vergleicht wie eng es in der Bahn, in der Shopping Mall oder im Biergarten bisweilen wieder zu geht. Die Kulturschaffenden können es nicht ändern. Auch die lokale Stadtspitze, die sich an allen Abenden interessiert und anwesend gezeigt hat, muss sich an die Weisungen aus München oder Berlin halten. Die Theaterleute, allen voran der künstlerische Leiter Lorenz Deutsch, haben sauber ausgerechnet, wie die Zuschauerzahl und die Sichtverhältnisse am besten zu optimieren sind. Es hat bestens geklappt. Jetzt wissen wir was machbar ist.

Am Freitag läuteten BAD AS WE die kleine Kulturreihe ein – Newcomer zum Neustart im historischen Pfalzhof. Erst im Juni hatte die Formation ihr Premierenkonzert gegeben. Die beeindruckenden Kritiken hatten es nicht allzu weit vom Luisenburg-Felsenlabyrinth nach Forchheim und so wurde das Trio für das Auftaktkonzert verpflichtet. Mit dabei ist Fabian Wegmann an seinem E-Piano, der in der lokalen Kulturszene kein ganz unbekanntes Gesicht ist. Zur Dämmerung dann ließ die unglaublich authentische Stimme Peter Hoheneckers die ehrwürdigen und ähnlich rauen Wände zittern. Passend zum Anlass wurden auf der Bühne so einige Zigaretten weginhaliert – natürlich schlicht eine wichtige Investition in die Stimmbildung. Fehlt noch ein treffendes Sigel für Steffen Winkler, der seine Gitarre wundervoll unaufgeregt und gekonnt beherrscht: wahrer Tiefgang, viel Gänsehaut.

Am Samstag war Wolfgang Buck zu Gast. Mit seinem Soloprogramm „iech wär dann do“, das er ‚vor Corona’ zum letzten Mal vor viereinhalb Monaten in Berlin spielte, trat er jetzt in Forchheim – natürlich ausverkauft – auf. Er versteht es, sein Publikum im besten Sinn zu unterhalten. Ein Liedermacher mit fränkischem Herz und gesundem Menschenverstand. Gebannt und mucksmäuschenstill sitzen die Gäste und lauschen und hören – nicht nur die so beliebten authentischen fränkischen Heimatklänge und diesen Zungenschlag. Sie hören auch einen tollen Gitarristen und versierten Liedermacher. Das sind eben die feinen Zutaten, die sich durch wache Ohren und Gehirne rezipiert, zu unvergessenen Abenden vermengen. Einfach eine Frage der Qualität!

Der Sonntagnachmittag war nun für den Forchheimer Literatur- und Lyrikprofi Rainer Streng und seinen kongenialen Bühnengenossen René Kraus alias „Der Ente“, genau der passende Zeitpunkt, um den schier unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch den Tücken unserer deutschen Sprache nachzufühlen. „Verrückt, verrücktes Deutsch“ war das Motto der Wort- und Tonattacke, die die beiden auf das geneigte Publikum zielten. Eine kurzweilige Mischung aus gesprochenen, gesungenen, geschriebenen und auch mit vollen Körpereinsatz visualisierten Sahnestückchen der deutschen Lyrik, sorgten für Kurzweile und Heiterkeit im Pfalzhof.

Kultur aLive – ein bisschen was geht immer, könnte das Fazit der drei Tage sein. Die darbende Kulturszene scharrt mit dem Hufen und wird weitere Abende und Veranstaltungen wie diese brauchen. Die sorgfältig geklebten Abstandslinien auf dem Kopfsteinpflaster des Innenhofes wurden gewissenhaft wieder abgekratzt, schöne Erinnerungen an dieses Wochenende haben sich aber sicher einigermaßen tief eingekerbt.